Stress macht krank

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Das heutige Thema ist der Stress und zwar sowohl der GUTE, der sogenannte EUSTRESS, als auch der Schlechte, der DISSTRESS.



Jedoch gibt es vorher ein paar Basics, die voraus zu setzen sind und dazu hier eine ganz vereinfachte Erklärung, wie unser Zentralnervensystem (ZNS) funktioniert. 
Es gibt 2 große System innerhalb unseres ZNS, nämlich den Sympathikus und den Parasympathikus. Es sind immer beide System aktiv, jedoch in unterschiedlichen Situationen zu unterschiedlichen Anteilen.


Der Sympathikus ist quasi unser Gaspedal im Körper, daher kommt auch der Spruch ,,fight or flight“. Der Sympathikus ist also dafür verantwortlich uns in Stresssituationen als Taktgeber zu fungieren. Er entschiedet, ob wir vor einem Säbelzahntiger fliehen, oder ob wir bleiben und kämpfen - beide Situationen bedeuten jedoch Stress. Genauso moduliert er Körpersysteme so, dass sie in solchen Situationen adäquat arbeiten um die Situationen zu meistern. So sorgt unser Sympathikus z.B. für ein erweitern der Pupillen, eine Beschleunigung der Herzfrequenz (Tachykardie), ein Runterfahren der Darmbewegungen und unterbrechen der Verdauung, eine erhöhte Schweißsekretion und vieles mehr.


Der Parasympathikus ist so etwas wie unsere körpereigene Bremse und folgt dem Spruch ,,rest and digest“. Er ist nämlich etwas wie unser Entspannungssystem, was unter anderem auch für die Verdauung verantwortlich ist. Er ist für das genaue Gegenteil seines Gegenspielers, dem Sympathikus, verantwortlich. So sorgt er beispielsweise für eine vermehrte Darmbewegung und damit auch für die Verdauung, ein Runterfahren der Herzfrequenz, eine Verengung der Bronchien und vieles mehr.

 

Wie anfangs bereits erwähnt, laufen diese beiden komplex gesteuerten Systeme parallel ab und es kommt zu einem Runterfahren des Parasympathikus und Hochfahren des Sympathikus in Stresssituationen. Unsere heutige Generation ist dadurch geprägt unter zu hohem Stress zu leiden und sich auch gerne Stress zu machen, womit der Großteil der Menschen ein Vollbild eines Sympathikotonikers darstellt. Symathikotoniker sind Personen, die im Zustand einer fast dauerhaften Überaktivierung des Sympathikus leben und denen ein Ausgleich fehlt.
Dies kann so gut wie alle Berufsgruppen betreffen, denn körperlich gesehen ist chronischer Stress immer schädlich egal ob er durch gute oder schlechte Ereignisse ausgelöst wird.

Das große Problem ist, dass unser Nervensystem nicht zwischen gutem Eustress und schlechtem Disstress unterscheiden kann. Zwar empfinden wir die auslösenden Situationen als angenehm oder unangenehm, in unserm Nervensystem läuft biochemisch jedoch ähnliches ab. Prinzipiell ist Stress gut, denn er sorgt für eine Anpassungsreaktion, die unser Organismus braucht um besser zu werden. Schaut man sich zum Beispiel Krafttraining an, so ist der entstehende Muskelschaden Stress für den Körper und aufgrund der entstehenden Entzündung baut der Körper in der anschließenden Ruhephase neuen Muskel auf. Dadurch werden wir stärker und unsere Gelenke werden entlastet. Unser Immunsystem funktioniert genauso. Bei Infektionen oder Impfungen laufen ähnliche Prozesse ab - das Bakterium betritt den Wirt, uns Menschen, und unser Immunsystem bzw. unsere B- und T- Zellen produzieren Antikörper oder zytotoxische Zellen, die die Bakterien abtöten. Das ist auch der Grund, warum man unmittelbar nach Impfungen kein Sport treiben sollte, den dieser fährt das Immunsystem runter und wir brauchen letzteres um Antikörper nach der Impfung zu bilden. Fast alle Prozesse in unserem Körper laufen über Stressreaktionen mit nachfolgenden Regenerationsphasen ab und machen uns dadurch besser.

Gefährlich wird es jedoch, wenn diese Stresssituationen und damit ein überaktiver Sympathikus zu einem Dauerzustand werden und die anschließenden Regenerationsphasen wegfallen.
Dies ist leider viel zu häufig der Fall!
Um dies auf unser ZNS zu beziehen, würde das bedeuten, dass unser Sympathikus die gesamte Zeit über feuert und der Parasympathikus nicht mehr gegenregulieren kann. Irgendwann landen wir dann in einer Art ausgebranntem Zustand!

—> nur wer hell gebrannt hat, kann auch ausbrennen!

Eines der Hauptprobleme ist, dass dieser Zustand plötzlich kommt, denn die Vorboten sind quasi verschleiert. Es gibt zwar einige Symptome, wie z.B. Abgeschlagenheit, Müdigkeit, schlechter Schlaf, depressive Laune usw., jedoch sorgen unsere Hormone dafür, dass unsere körpereigenen Alarmsysteme, die uns warnen, in solchen Stresssituationen bzw. in solchen Phasen des Brennens, ausgeschaltet sind. Unsere Hormone Adrenalin und Dopamin treiben uns weiter an und Cortisol sorgt für eine euphorisierende Stimmung und viel Energie.

ES GIBT FÜR DEN KÖRPER NUR EINEN STRESS, egal ob er gut oder schlecht ist!! 

 

 

Die Effekte auf unseren Körper können multimodal sein. Einige davon seht ihr in der Grafik.
All diese Symptome können Folgen von chronischem schlechtem oder auch gutem Stress ohne genügend Regeneration sein. Die häufigsten sind Müdigkeit, Hautunreinheiten, erhöhter Blutzucker, erhöhte Darmpermeabilität (wodurch schlechte Dinge in unser Blut kommen), häufige Erkrankungen auf Grund eines schlecht arbeitenden Immunsystems, Gewichtsverlust und hormonelle Dysbalancen. All diese sind sehr unspezifisch und sind daher immer im Kontext zum Lebensstil zu interpretieren.
Ein sehr hilfreicher und auch für jeden einfach zu bestimmender Parameter ist das Cortisol-Tagesprofil. Dieses sollte seinen höchsten Punkt (Peak) morgens zwischen 6 und 7 Uhr haben und im Verlaufe des Tages absinken.
Es gibt nun mehrere Möglichkeiten, wie so ein Test ausfallen könnte - dazu die Tage mehr auf FACEBOOK und in meinem nächsten BLOG auf medletix.com — wichtig ist jedoch, das jede Abweichung im Kontext zum Lifestyle interpretiert wird.

Ein weiteres Hauptproblem neben der hormonellen Situation, sind Entzündungen. Stress führt im gesamten Körper zu rezidivierenden (wiederkehrenden) Entzündungen und das ganz ohne Keime.
Diese systematischen Entzündungen erhöhen nachweislich das Risiko für Herzinfarkte und Schlaganfälle auf die gleiche weise wie das Rauchen!!

Klar ist nun, dass Stress auf unterschiedliche Arten negative Einflüsse auf unsern Körper haben kann und uns krank macht. Welche Ursachen hat dieser Stress jedoch?
Die Ursachen sind multimodal, interindividuell und je nach Quelle auch unterschiedlich. Die häufigsten und wichtigsten Ursachen sind Familien- & Partnerschaftsprobleme, Arbeitsstress (Leistungsdruck, Zeitdruck, Überlastung), Fremdbestimmung und physischer Stress (Trauma, Schmerz).
Schaut man sich die aufgelisteten Ursachen einmal an, kann es durchaus sein, dass jeder andere Punkte unterschiedlich stressend ansieht. Das ist interindividuell.

,,Stress ist nicht anderes als ein Missverhältnis zwischen wahrgenommenen Anforderungen und vorhandenen Bewältigungsmöglichkeiten, aus denen eine Bedrohung wächst’’

Nun stellt sich die Frage, ob es besonders betroffene Berufsgruppen gibt?
Eine aktuelle Studie aus dem Ärzteblatt zeigt, dass Ärzte, die durch zu viele Arbeitstage gestresst sind, ähnlich schlimme körperliche, kognitive und emotionale Beschwerden aufzeigen wie eine Gruppe depressiver Patienten. Schon ein wenig widersprüchlich wie ich finde - die Menschen, die Gesundheit als Dienstleistung anbieten und dies vorleben sollten, sind fast weniger beschwerdefrei wie depressive Patienten…
Des weiteren gehören leitende Angestellte und Manager dazu. Aber auch genauso Freiberufler und Selbstständige sind betroffen. Aber nicht nur Berufsgruppen mit einem großen Leistungsdruck gehören dazu, sondern auch Arbeitslose.

Wie erkennt man nun anhand klinischer Folgen einen durch chronischen Stress erkrankten?
Die Symptome sind wie zu Anfang schon erklärt systemisch und müssen im Gesamtkontext interpretiert werden. Man kann die verschiedenen Symptome in die unterschiedlichen Organsystem unterteilen. So wären dort das ZNS, der Magen-Darm (GI) Trakt, das Immunsystem, das Herzkreislaufsystem, der Stoffwechsel, die Muskulatur und Sonstige.

ZNS —> Konzentrationsschwäche und Leistungsverlust
GI-Trakt —> Entzündungen und Blutungen
Immunsystem —> rezidivierende Infekte und Tumore
Herzkreislauf —> Bluthochdruck, Arteriosklerose und Herzinfarkte
Stoffwechsel —> Blutzuckeranstieg mit Diabetes als Folge, Übergewicht
Muskel —> Muskelverlust
Sonstige —> Drogengenuss, Errektionsprobleme und Libidoverlust

Wie hier zu erkennen handelt es sich um eine wirklich ernst zu nehmende Erkrankung!
Dieser Formkreis wird auch als ,,Burnout Syndrom“ betitelt.

Was wären jetzt adäquate Therapien, um diesem Teufelskreis nicht zu verfallen und nicht zu erkranken?
Die Antwort wird den meisten nicht gefallen! Denn wie bei den meisten Erkrankungen hilft hier nicht irgendeine Pille und alles ist wieder beim alten… Man muss sein Leben ändern!!!
Sich einen anderen Job suchen, eine andere Partnerschaft oder was auch immer der bzw. die Stressauslöser sind.
Eine einfache, für jeden durchführbare Technik um den Parasympathikus zu aktivieren und damit den Sympathikus runterzufahren ist die Atmung. Und zwar atmet man 4 Sekunden ein und 6 Sekunden aus. Dies ist eine Art der Taktatmung und führt zu einer reflektorischen Aktivierung des paarsympathischen Nervensystems.
Eine zweit Methode wäre es seinen Vagusnerv zu aktivieren und zwar durch Gurgel von kaltem Wasser. Der Vagusnerv ist ein Hirnnerv, der zum Parasympathikus gehört.

Das war nun ein sehr ausführlicher Ausblick über Stress und die Reaktionen unseres Körpers.
Wollte ihr mehr über die neurophysiologischen Prozesse erfahren, so lasst mir doch einen kurzen Kommentar bei Facebook oder unter diesem BLOG Beitrag.

Bleibt gesund und stress euch nicht so viel

Euer Thiemo

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